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"Wie nett darf ich, wie streng muss ich sein?" Ausbilderin Angela Jensen-Oti greift gern auf die Erfahrungen ihres Mentors Gert Schmalenbach zurück

Angela Jensen-Oti ist 45 Jahre alt und Mutter von vier Kindern. Ihr Ältester ist 20 Jahre alt. Den Umgang mit jungen Erwachsenen ist Jensen-Oti also gewohnt – ein großer Vorteil für ihre Aufgabe als Ausbilderin bei der Telemobil Communications GmbH in Offenbach, denn die beiden Auszubildenden, um die sie sich hier kümmert, sind fast gleichaltrig. "Ich bin dicht dran an den jungen Leuten und kann sie recht gut einschätzen."

Mentee Angela Jensen-Oti mit Azubi Özlem
Mentee Angela Jensen-Oti mit Azubi Özlem
Um den beiden eine wirklich gute Ausbilderin sein zu können, ist Jensen-Oti Mentee bei MAI geworden. Ihre eigene Ausbildung bei der Deutschen Bank, die sie als "sehr gut" bezeichnet, hat sie ermuntert und angespornt, nun auch selbst die Verantwortung für die Berufsausbildung junger Menschen zu übernehmen. Aber wie? Um eine offizielle Ausbildereignungsprüfung zu absolvieren, fehlt ihr die Zeit, doch die fachliche Vorbereitung in den AdA-Kursen bietet eben auch die Sicherheit, alles Nötige für eine solide Ausbildung zu wissen. In solch einer Situation einen Mentor zur Seite zu haben, der bei Fragen einspringen kann, empfindet Jensen-Oti als sehr hilfreich.

Schnell mal bei einem Sachkundigen anklingeln

Von dem Mentoring-Programm hatte sie über die IHK Offenbach erfahren und anschließend keine Mühe, ihren Chef zu überzeugen, daran teilzunehmen. Was sie an MAI besonders schätzt, ist die Möglichkeit, sich mit jemandem, der ein langes Berufs- und Ausbildungsleben hinter sich hat, über Probleme und Fragen austauschen zu können. "Wann sonst könnte ich so mir nichts dir nichts bei einem Sachkundigen anklingeln, wenn ich etwas auf dem Herzen habe in punkto Ausbildung?"

Jetzt hat sie mit Mentor Gert Schmalenbach jemanden an ihrer Seite, der ihr hilft, Fehler zu vermeiden. Gert Schmalenbach, selbst über 30 Jahre lang in der Telekommunikationsbranche tätig und seit kurzem in Altersteilzeit, verfügt über die Lebens- und Berufserfahrung in der Ausbildung, die der Erstausbilderin – noch – fehlen.

Regelmäßig alle vier bis sechs Wochen treffen sich Jensen-Oti und Schmalenbach, um die anfallenden Fragen abzuarbeiten. "Wie motiviere ich meine beiden Schützlinge, ihre Berichtshefte rechtzeitig und gründlich auszufüllen? Wie kann ich, wenn nötig, ihr Selbstbewusstsein stärken?" Auch Fragen zu ihrer neuen Rolle tauchen auf: "Wie viel Nähe verträgt die Beziehung zu den Azubis, wie viel Distanz muss ich wahren? Wie nett darf ich sein, wie streng muss ich sein? Welche Grenzen muss ich setzen?" Auch bei der Vorbereitung auf die Zwischenprüfung ihrer Azubis ist ihr die Unterstützung willkommen. "Wir bekommen regelmäßig Arbeitsunterlagen, die ich zur internen Schulung und Überprüfung der Lernfortschritte nutzen kann."

Die bestmögliche Ausbildung

Die Bankkaufrau hat den Anspruch, den beiden jungen Menschen die bestmögliche Ausbildung zu bieten. "Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch richtig machen." Doch für sie, die neben ihrer Aufgabe als Ausbilderin noch in vielen anderen Bereichen in der Firma Verantwortung trägt, ist es nicht einfach, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. "Ich möchte unseren Azubis gerne mehr mitgeben als das, was sie in der Berufsschule lernen. Doch um zum Beispiel selbst Ausbildungsunterlagen zu erstellen, wie ich das aus meiner eigenen Lehrzeit bei der Deutschen Bank kenne, dafür bleibt mir nicht genug Zeit", räumt Angela Jensen-Oti ein. Die Unterlagen von MAI kommen hier also gerade recht.

Mentor Gerd Schmalenbach
Mentor Gerd Schmalenbach
Mit Schmalenbach, der wie alle Mentoren in diesem Programm ehrenamtlich tätig ist, kann sie über Probleme in der Berufsschule oder im Betrieb sprechen – der gemeinsame Austausch über den Berufsalltag hilft, eine Situation richtig einzuschätzen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen. "Dabei kommt ihr zugute", meint auch Schmalenbach, "dass sie Erfahrung in der Kindererziehung hat." Es sei manchmal schon überraschend, wie ähnlich die Aufgaben von Ausbilder/inne/n und Eltern seien – vor allem dann, wenn man den "Kindern" etwas Unangenehmes sagen müsse, um sie vor etwas noch weit Unangenehmerem zu bewahren.

Was Mentor Schmalenbach an seiner Aufgabe schätzt, ist nicht nur die Chance, die Früchte seiner langen Berufstätigkeit sinnvoll weiterzugeben. Er mag auch den Austausch unter den Mentorinnen und Mentoren, den MAI bietet. Denn hier zeige sich, dass fast immer Konsens im Kolleg/inn/enkreis herrsche, wenn über Probleme und deren Lösung gesprochen werde.

Kein Überwachungstrupp

Die Aufgabe als Mentor macht Schmalenbach sichtlich Spaß. Für ihn ist es "das höchste Ziel", einem jungen Menschen mit einer guten Ausbildung einen optimalen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Dazu seien er und seine Mentoren-Kollegen bei MAI letztendlich da. Zugleich räumt er mit einem Vorurteil auf, das ihm in der ersten Zeit häufiger begegnet ist: "Wir sind kein Überwachungstrupp, der die ausbildenden Betriebe kontrolliert."

Dass Jensen-Oti und er ein gutes Gespann abgeben würden, hat er gleich geahnt. Bei der Auftaktveranstaltung von MAI war Angela Jensen-Oti eine der wenigen Ausbilderinnen, die sich die Zeit nahmen, sich an Ort und Stelle über das Programm zu informieren. "Daran habe ich erkannt, wie groß ihr Interesse ist und dass sie wirklich etwas wissen wollte." Und das sei doch das Wichtigste, meint Schmalenbach: "Dass jemand mit Herzblut bei der Sache ist."

Warum sich für Telemobil-Azubi Türker Yerlikaya Hartnäckigkeit beim Suchen des Ausbildungsplatzes ausgezahlt hat, darüber lesen Sie hier mehr.