Unglaublich motiviert Mentoring in Dreieich
Die erste Begegnung im Oktober 2006 diente dem Kennen lernen und Beschnuppern. Doch schon nach einer Stunde war den beiden Herren klar: "Wir können miteinander." So beschreibt Walter Hochenauer, ehemaliger Chef eines Personal- und Verwaltungsbereichs eines großen Versicherungsunternehmens, das erste Treffen mit seinem Mentee Emin Sahin. Denn bevor es an die Fachfragen ging, gab es zwischen dem Mentor und seinem Schützling Grundsätzliches zu klären: "Haben wir dieselbe Wellenlänge? Können wir uns über die Werte verständigen, die uns wichtig sind? Tref-fen wir den richtigen Ton?"
Gemeinsame Werte und der richtige Umgangston
Sie fanden nicht nur dieselbe Wellenlänge, sondern sind seither auch ein gut funktionierendes Mentoring-Gespann: Emin Sahin ist Geschäftsführer von E & E Collection GmbH, einem Großhandel, der mit Ladeneinrichtungen, speziell Schaufensterpuppen, handelt - und Neuling in Sachen Ausbildung. Hochenauer ist seit einigen Jahren pensioniert, mit einem reichen Erfahrungsschatz in Sachen Personalführung und Ausbildung und alles andere als im Ruhestand. Er liebt es, sein Wissen weiterzugeben, wenn´s geht, so systematisch wie möglich.
Auch darin hat er sich mit Sahin gefunden. Der türkische Unternehmer aus den Niederlanden, der seit 1990 in Deutschland lebt und zehn Jahre lang bei Lufthansa gearbeitet hat, geht planvoll an die Ausbildung heran. Besonders für die Anfangsphase, so Sahin, habe er von Hochenauer wissen wollen, wie er sich dem Auszubildenden am besten nähern sollte, welche Fragen er ihm stellen, mit welchen Aufgaben er ihn betreuen solle. Die Tipps des Routiniers gefielen ihm. "Alleine hätte ich das nicht so auf den Punkt bringen können", meint der Unternehmer und erinnert sich gut an das Gefühl, dass "der hohe Berg an Anforderungen, den ich vor mir sah, danach gar nicht mehr so hoch war. Und ich hatte das Gefühl, ´ich bin nicht allein`."
Mentor Hochenauer denkt schon weiter: "Führen Sie mit Ihrem Azubi Mitarbeitergespräche", rät er ihm. "Für unser nächstes Treffen schicke ich Ihnen eine Anleitung, wie man solche Gespräche führen kann. Das ist wichtig. Bereiten Sie sich darauf vor. Und lassen Sie sich seine Berichtshefte zeigen. Diese Ausbildungsnachweise", klärt Hochenauer seinen Mentee auf, "sind später Grundlage für die mündliche Prüfung." Sahin nimmt solche Tipps begierig auf. "Ich will lernen."
Puppen und Perücken
Dass auch der Azubi von der Beratung des Mentors profitiert, hat Sahin bereits registriert. Die Noten, die Azubi Christian nach dem ersten Halbjahr mitgebracht hat, könnten kaum besser sein: Eine glatte Zwei im Schnitt sind der Beweis für ein helles Köpfchen – und mehr noch: "Mein Azubi ist unglaublich motiviert." Das zeigt sich darin, dass er flink ist und mitdenkt. "Der Junge hat sehr kreative Ideen", findet auch Hochenauer. So sei es dessen Idee gewesen, dass den Schaufensterpuppen Perücken fehlten zum perfekten Styling. Sein Chef Sahin ging sofort darauf ein. Zu sehen, dass Vorschläge aufgegriffen und umgesetzt werden – welcher Azubi wünschte sich das nicht?
Sahin wie Hochenauer haben ein gemeinsames Ziel: Junge Menschen zum Erfolg zu führen und die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Der nächste Schritt dazu ist bereits gemacht. Im März 07 will Sahin einen neuen Azubi einstellen. Und auch der steht schon fest: Es ist Timo, ein Freund von Azubi Christian. Der hatte sich damals, als Sahin testen wollte, wie sein Azubi sich bewähren würde, wenn der Chef einmal ein paar Tage Urlaub machte, so gut eingefügt in den Betrieb, dass er ihm gleich einen Ausbildungsplatz anbot.
Durchaus mit Vorfreude sieht Mentor Hochenauer Arbeit auf sich zukommen: "Ich stehe bereit." Sahin nickt zustimmend. Etwas Besseres, so kann man daraus schließen, könnte den beiden nicht passieren.
Warum im Industriegebiet von Dreieich das Herz der deutschen Textilbranche schlägt und wie es kommt, dass Emin Sahin einem österreichischen Museum Sissis Kleiderständer verkauft hat, darüber lesen Sie hier mehr.

